Dolomitentour 2009

Dolomitentour 2009

 

Wer noch nie dabei war, bei unserer jährlichen Dolomitentour, der kann nicht einmal ahnen welch Erlebnis dies jedes Mal wieder ist.

Folgendes ist nur ein Versuch die, eigentlich unbeschreiblichen, 4 Tage, für all jene welche nicht dabei waren, in Worte zu fassen. 

Unser Hauptquartier war das Hotel Wiesenhof in Sankt Leonhard, am Fuße des Jaufenpasses.

Schon die Anreise dort hin absolvierten wir ohne Autobahn. Von Vorchdorf starteten wir mit 3 Fahrzeugen. Mein Vater, Alois Humer, mit meinem Onkel Manfred Humer, in einem Ford Fiesta XR2i, Ottmar Thalinger in seinem Mazda MX5 und ich mit meinem Mini MPI. 

Über Gmunden, Bad Ischl fuhren wir Richtung Gosau als wir an der ersten schönen, kurvigen Straße, hinauf nach Gosau, bereits auf den ersten SUV aufliefen. SUV sind nämlich die echten Bremser auf solchen Straßen. Aber es bescherte uns nur ein müdes Lächeln und der Bremser war Geschichte.

Von Gosau nahmen wir den Weg über Annaberg nach Bischofshofen. Dort, am Anstieg zum Hochkönig, stieß unser Freund und Mitstreiter, Martin Sperl, mit seinem Mini Cabrio zu uns.

Aber, wir sollten die Passhöhe nicht erreichen. Denn mein Mini begann schwammig zu werden, was ich als bald als Reifenschaden vorne rechts diagnostizierte. Und so war es auch. Keine Luft im, erst am Tag davor aufgezogenen, Semislick. Zum Glück hatte O (das Synonym für unseren Ottmar) einen Reifenfüllspray mit. Keiner von uns hatte einen solche je zuvor getestet. Erstmal hofften wir dass dieser Spray den lecken Reifen reparieren könnte. Doch schon nach einem weiteren Kilometer wurden wir eines Besseren belehrt.

Was nun tun, war die Frage? Natürlich hatte ich ein Reserverad mit. Doch mit diesem 1000km durch die Dolomiten preschen stand nicht zur Debatte. Also rief ich einen Freund an, welcher sofort bereit war mir einen neuen Reifen nachzubringen.

Mit dem Reserverad ging es also weiter bis zum Treffpunkt in Saalfelden. Dort gibt es einen großen „Reifenschuster“, welcher, da wir Wochentags unterwegs waren, auch offen hatte.

Überraschender Weise konnte dieser den Reifen auch reparieren. Dennoch ließen wir uns den neuen Reifen bringen um für eventuelle weitere Reifenschäden gerüstet zu sein. 

Nach einem herzhaften Mittagessen starteten wir unsere Boliden wieder und fuhren weiter Richtung Großglockner.

Diese Hochalpenstraße, welche wir ja schon bestens vom Minitreffen in Kaprun kannten, erwartete uns bereits. Dies konnte man fast denken, da so gut wie kein Verkehr war. Nach dem Passieren der Mautstraße gab es also nur Erste, Zweite, Dritte und vor den Kurven das Gegenteil. Gebremst wurden wir nur kurzeitig von einem Autobus. Dieser stand mittig auf der Straße mit einem Reifenschaden. Die Passagiere standen bereits am Straßenrand. Die Bleiche in ihren Gesichtern lies erahnen dass ihnen diese Panne doch etwas zugesetzt hatte. 

Aber dies bremste uns, wie gesagt, nur kurz. Schon ging es mit Vollgas wieder weiter. Für Sightseeing am Fuschertörl war keine Zeit. Viel zu sehr waren wir aufs Fahren fixiert.

Der Berg forderte aber auch Tribute an unsere Fahrzeuge. Bei meinem Mini kam ich zur Erkenntnis dass ein Ölkühler zur nächsten Verbesserung gehört. Und O erfuhr dass seine Reifen einer Temperatur und Belastungsobergrenze unterliegen.

Den Glockner runter mussten wir uns wieder beweisen dass unsere Bremsen auch dass können was wir von ihnen erwarten. Also gab es nur Vollgas-Bremsen-Vollgas-Bremsen…..

Unten angekommen war der erste Tankstop und Kaffeepause. Hier warteten wir auf unser Fiesta Team welches durch die Buspanne etwas länger aufgehalten wurde. 

Bei dieser Pause kam mir auch die Erleuchtung meinen Reisepass vergessen zu haben. Gerade mir passiert das, wo doch ich immer jeden daran erinnere. Ja, denkt ihr nun, was soll es. Ist doch nur Südtirol. Ja, sage ich euch, das Schengener Abkommen war auf Grund des bevorstehenden G8-Gipfels aufgehoben!

Nun denn, wir kamen zum Entschluss dass am Stallersattel, auf welchem wir die Grenzen überschreiten wollen, mit Sicherheit kein Grenzposten stehen wird. Und so war es auch. Weit und Breit kein Grenzer in Sicht. Nochmals Glück gehabt.

Diese Glück war aber nur von kurzer Dauer! Denn unten angekommen standen sie. 3 Mann hoch in italienischer Carabinieri-Uniform. Von einem der Drei aufgehalten, spielte ich den Unschuldigen welcher erst jetzt seinen Fehler bemerkt. Ich reichte ihm den Führerschein und erklärte ihm nach seiner Nachfrage, ob wir alle zusammen sind, unser Vorhaben, eine Tour durch die Dolomiten zu fahren. Nach einer kurzen Diskussion und der Aufklärung dass er mich eigentlich nicht einreisen lassen dürfte, gab er mir den Hinweis dass ich, bei einer Kontrolle Innerlandes schon mindestens eine Woche in Italien sei und ich ihn nie gesehen hätte. 

Des weiteren Weges gab es, außer viel Fahrspaß, keine besonderen Vorkommnisse. Zu erwähnen wäre eventuell noch der Jaufenpass. Schon wenige Meter nach dem ersten Anstieg klappte der rechte Fuß, angezogen wie von einem Magneten, runter. Das Adrenalin wurde bei jeder Kurve direkt in die Venen gespritzt, die Koordination von Gasgeben, Bremsen und Lenken nahm das gesamte Denkvermögen in Anspruch. So, von nichts abgelenkt, ergaben wir uns dem puren Fahrvergnügen. Vorne ich, gejagt vom Mazda, die anderen Beiden etwas abgeschlagen, zogen wir unseren Spuren den Berg hinauf. Oben angekommen stiegen O und ich, mit einem breiten Grinsen, aus und klatschten uns ab. „Wow“ sagten wir, „war das geil“. 

Am Rest des Weges, den Jaufenpass runter, löste, bedingt durch ein Schlagloch, mein Crash-Schalter aus. Dies ergab einen ungewollten Halt um diesen wieder zu aktivieren. In dieser halben Minute überholten uns unser Pensionisten-Fiesta Team. Ich nahm mir wirklich schwer vor hinter ihnen nachzufahren. Aber die Straße war zu schön um sie nicht zu genießen.

Also kamen O, welcher ebenfalls überholte, und ich etwas früher an als unsere Pensionisten und Martin.

Martin beschwerte sich, gleich nach Ankunft, über seine Bremsen. Ich beruhigte ihn dass dies normal sei und die Bremse nur etwas warm wurde. Dies sollte sich aber am nächsten Tag noch als falsche Diagnose herausstellen. 

Angekommen im Hotel, bereits außerhalb der Essenszeit, bekamen wir dennoch ein fantastisches Dinner serviert. Denn auch die Qualität des Hotels ist ein Markenzeichen unserer Dolomiten-Tour! 

Während des Abendessens besuchte uns noch ein Kunde von mir welcher nicht fern vom Hotel zu Hause ist und von unserem Aufenthalt wusste. Dies sollte uns am nächsten Tag noch zu Gute kommen da er uns seine Hilfe im Falle von irgendwelchen Problemen anbot. 

Das erste Problem sollte schon am nächsten Morgen sein. Manfred am Steuer des Fiestas parkte rückwärts aus. Dem gleich tat dies auf der gegenüberliegenden Seite ein deutscher Urlauber mit seinem Mercedes. Schon war es geschehen und beide Fahrzeuge waren etwas verbogen.

Nach einer kleineren Diskussion über die Verschuldensfrage wurde die Einigung getroffen dass sich jeder seinen Schaden selbst bezahlt. 

Das eigentliche Problem war aber jenes dass beim Fiesta die linke hintere Seitenwand so verbogen war dass der Tankdeckel nicht mehr zu öffnen war. Also rief ich Robert, meinen Kunden, an, welcher selbstständiger Installateur ist, ob er uns helfen kann dies etwas aus zu biegen. Aber während meines Telefonates schafften es Vater und Onkel selbst das Blech so zu verbiegen dass das Öffnen des Tankdeckels wieder möglich war. 

Also stand dem Start der Tagestour nichts mehr im Weg. Das zeitliche Ziel des Tages war jenes, rechtzeitig zurück zu sein um die Annehmlichkeiten des Hotels, wie z.B. den Spa-Bereich, etwas nützen zu können und um nicht wieder außerhalb der Essenszeiten zu kommen. 

Der Tourbeginn brachte uns wieder auf den Jaufenpass. Wie üblich in der Reihenfolge Ich, O, Martin, Vater und Onkel.

Martin blieb aber, überraschender Weise, schon bald weit hinter uns. Als er, dennoch vor dem Fiesta Team, oben ankam, gab er uns die Bestätigung meiner Fehldiagnose vom Vortag. Denn die Bremse wollte noch immer nicht so richtig. „Also, was soll es“ sagte ich. Das Auto aufgebockt, die Räder runter und die hinteren Bremstrommeln runter.

Schon bei der ersten, der linken, Seite war die Ursache klar. Einer der Bremsbeläge hatte sich von der Bremsbacke gelöst. Scheiße, was tun in einem solchen Fall. Martin hatte einen Karosseriekleber mit sich. Doch von der Wirkung dessen waren wir alle nicht so begeistert. Aber es war eine Notlösung. Mit dieser Notlösung schickte ich Martin auf den Weg zu Robert, welcher nur 30km entfernt wohnt. Denn ich wusste Robert hat seinen Mini zur Zeit bis auf die letzte Schraube zerlegt. Telefonisch bat ich ihn Martin seine hinteren Bremsbacken zu überlassen.

Während Martin sich auf den Reparatur-Abstecher begab, fuhr das Restliche Team einen weiteren Pass um uns dann anschließend in Bozen wieder zu treffen. 

Der Treffpunkt war dann etwas weiter zur Mittagszeit da beim Wechseln der Bremsbacken nicht alles so glatt ging und Martin sich einen blutigen Finger zwickte. 

Auch mein Mini wurde schon vor dem Mittagessen wieder etwas schwammig. Meine Diagnose, und dieses Mal die Richtige, war, lockere Lenkungsbügel. Dies wurde nach dem Mittagessen auch rasch behoben.

Der Rest des Tages verlief ohne Probleme und brachte uns durch wunderschöne Gegenden, super kurvenreiche Straßen und tolle Bergpässe.

Der letzte Pass vor Meran, das Gampenjoch, lag noch vor uns. Ich lag etwas voraus und genoss den Berg mit vollen Drehzahlen. In einer schönen kurvigen Passage war es mir möglich etwas weiter nach vorne zu blicken. Und dort, weiter vorne, erspähte ich einen Carabinieri. Dieser stand dort auch nicht unberechtigt, denn schon nach der nächste Kurve wies mich ein Schild auf die 50km/h Zone hin. Wissend des italienischen Polizisten einige Kurven voraus, drosselte ich meine Geschwindigkeit natürlich dem Schild entsprechend und tuckerte der möglichen Kontrolle entgegen.

Schon als er mich sah, gehört wahrscheinlich schon viele Kilometer davor, sprang er auf die Straße und hielt mich mit seiner Kelle straßenmittig an. Mit meinem wenigem Italienisch begrüßte ich ihn und fragte nach dem Grund der Kontrolle. Etwas verdutzt blickte er auf meine blauen, österreichischen Werkstattkennzeichen, ging rund um den Mini, nickte anerkennend und verabschiedete mich mit den Worten „Pomale, Pomale“ – langsam, langsam.

Natürlich hielt ich mich den Rest der gesamten Tour an die Anweisung! ………

…….. kleiner Scherz. Längstens nach 3 Kurven ging es wieder mit voller Drehzahl weiter.

Ein kurzer Platzregen, und ja, auch die etwas überhöhte Geschwindigkeit führten dazu dass ich in einer Haarnadelkurve plötzlich verkehrt dastand. Aber nichts ist passiert und weiter ging die Fahrt.

Auch O wurde dann noch vom selben Polizisten angehalten und auf die Lichtpflicht in Italien hingewiesen. 

Natürlich kamen wir wieder viel zu spät ins Hotel um noch Sauna oder Pool genießen zu können. Aber zumindest rechtzeitig zum Abendessen.

Wie auch schon am Vortag machten wir auch an diesem Abend wieder den Schlussdienst an der Bar. 

Am nächsten Tag, dieses Mal ohne Parkunfall, aber wieder mit dem festen Entschluss, rechtzeitig zurück zu sein, starteten wir in die andere Richtung. Erstes Ziel war das Utental. Dies ist zwar eine Sackgasse, aber eine wunderschöne Sackgasse. Am Ende machten wir auch eine Ausgiebige Pause um die Schönheit der Landschaft zu genießen. Denn auch dies war ein Entschluss für den Tag. Nicht nur zu Fahren sondern auch die Landschaft zu genießen. 

Martin, ja schon wieder Martin, beklagte sich über abrupte Aussetzer seines Motors. Diese seinen zwar nur kurz aber dafür heftig. Wir wollten dies dann am Abend beheben. Doch schon bei der Mittagsrast kam der nächste Defekt bei Martins Mini hinzu. Bedingt durch die Motoraussetzer war der Getriebestabilisator gebrochen. Und mit gebrochenem Stabi plus den Aussetzern war unmöglich weiterzufahren.

Also haben wir begonnen den Motorsteuerkabelbaum zu überbrücken. Schon das erste überbrückte Kabel schien der Glückstreffer gewesen zu sein da es keine Aussetzer mehr gab.

Jetzt lag es daran eine Werkstatt zu finden in welcher wir den Stabi schweißen können.

Auch diese war rasch gefunden. Dies bestätigte uns auch in der Wahl die Tour wochentags zu machen. Der Chef der Werkstatt persönlich legte Hand am Mini an. Der Schaden war in 15 Minuten behoben. Auch der Preis von nur 25 Euro war sehr human.

Der weitere Weg führte uns, wieder einmal, über den Gavia Pass. Immer wieder ist dieser Pass, da über die Südseite einspurig, ein wirkliches Erlebnis. Den Gavia runter kommt man nach Bormeo. Dies liegt am Fuße des Stilfserjoches. Auch das Stilfserjoch ist immer wieder ein Erlebnis da man auf über 2700m rauf kommt.

Die Abfahrt über die Nordseite ist sehr imposant, da man diese über 49 Kehren bewältigt.

Ich denke ich muss unsere Fahrweise hier nicht wieder extra erwähnen. Es sei nur gesagt die Bremsen hätten noch mehr ertragen.

Leider ist dann der Weg zurück nach Meran sehr langweilig da man diesen nur auf der Hauptstraße mit einer Beschränkung nach der Anderen hinter sich bringen kann 

Die Zeit unserer Rückkunft im Hotel war natürlich wieder zu spät um im Wellnessbereich etwas relaxen zu können.

Daher relaxten wir nach dem üppigen Abendessen, wie die Tage zuvor, mit einigen Pullen Rotwein auf der Terrasse und später noch mit ein paar Schlummer-Drinks an der Bar. 

Der nächste Tag war bereits unser Abreisetag. Der Samstag sollte unser letzter Tag auf der Straße sein. Wir beschlossen die Heimroute über das Timmelsjoch, durch das Ötztal und über das Kühtei Richtung Innsbruck zu fahren. Die Auffahrt zum Timmelsjoch gab uns die letzte Bestätigung dass es die Richtige Entscheidung war unsere Tour wochentags zu absolvieren. Denn an diesem Samstag waren so viele Sonntagsfahrer, Deutsche und Motorradfahrer unterwegs dass es keinen Spaß mehr machte.

Nach Kühtei, kurz vor Innsbruck trennten wir uns von unserem Pensionisten-Fiesta Team. Denn Vater und Onkel entschieden sich den restlichen Weg nach Hause auf der Autobahn zu nehmen.

Der Rest von uns entschied sich noch die deutsche Alpenstraße zu fahren.

Hier hatten wir noch eine wirklich sehenswerte Landschaft und auch ganz tolle Straßen. Nicht zu vergessen ein super, typisch bayrisches, etwas verspätetes Mittagessen.

Vom Schliersee in Richtung Kufstein kamen wir noch in einen richtigen Regenguss. Eine schöne breite Passstraße rauf setzte ich zum Überholen an. Es war zwar eine 60er Beschränkung. Dies war aber schon so nervenaufreibend dass es mich überkam zum Überholen.

Aber auf gleicher Höhe mit dem vordersten der 3 Bremser gab mein Motor ein nicht wünschenswertes Geräusch, begleitet von einer schwarzen Rauchwolke von sich.

Dies führte nicht nur dazu dass ich mich wieder hinten einreihen musste sondern weiters dazu dass ich zum Stillstand kam und der Motor sich auch nicht mehr bewegte.

Im ärgsten Regen, wann auch sonst, mussten wir den Mini abschleppen. Bis nach Oberaugau, kurz vor Kufstein schleppten wir den Mini um eine überdachte Möglichkeit zur Fehlerdiagnose zu haben.

Dort, bei einem kleinen Autohändler, fand sich ein Flugdach unter welchem wir vom Regen geschützt waren. Aber natürlich hörte der Regen auch sofort auf als wir unter Dach waren. 

Leider viel die Diagnose meinerseits nicht positiv aus. Es handelte sich um einen kapitalen Motorschaden.

Also wurde mein Mini zurückgelassen um ihn am nächsten Tag per Anhänger abzuholen.

Den Rest des Weges legte ich als Beifahrer im Mazda MX5 zurück.

In Salzburg trennten wir uns von Martin, da ja dieser von Salzburg ist.

Auch die letzten Kilometer von Salzburg nach Hause gab es nur Bundestraßen. 

Die Tour bescherte uns über 1800km ohne Autobahn! Ein super Erlebnis wie jedes Jahr!

 

Berni
B.M.C. of Austria - www.difference.at
Geschrieben für den Classic Cars Sports Club